SSV 95 Wissen hat das Bezirksoberliga-Heimspiel gegen den TuS Horchheim trotz über weite Strecken dominanter Vorstellung in den Schlusssekunden unglücklich mit 20:21 verloren.
Der SSV startete erneut mit geschwächtem Kader, aber hochmotiviert in die Partie und erwischte den besseren Start. Über eine aufmerksame Abwehr und sichere verwandelte Siebenmeter erspielten sich die Gastgeberinnen eine frühe Führung (5:3, 9. Minute). Im Angriff leistete sich Wissen zwar zunächst einige technische Fehler, fand dann jedoch besser in die Strukturen und kam vor allem über gut vorbereitete Aktionen am Kreis zu klaren Abschlüssen. Horchheim blieb im Spiel, konnte aber die Wissener Führung zunächst nicht ernsthaft gefährden.
Nach der ersten Auszeit des SSV (14:05 Minuten) stabilisierte sich das Heimteam weiter, verteidigte konsequent und hatte mit einer starken Torhüterin zusätzlichen Rückhalt. Zwar kamen die Gäste über einen Siebenmeter kurz vor der Pause nochmals heran, doch beim 9:9-Ausgleich schien der psychologische Vorteil eher auf Seiten der kompakt auftretenden Gastgeberinnen zu liegen.
In der Kabine war man sich einig, dass an diesem Nachmittag für Wissen etwas zu holen war, und genau so trat die Mannschaft nach Wiederanpfiff auf. Der SSV agierte konzentriert, spielte seine Angriffe geduldig aus und nutzte die sich bietenden Chancen konsequent. Über Treffer von Tanja Quast und Lisa Demmer setzte sich Wissen auf 14:11 (41.) und 16:12 (46.) ab – die Konrad-Adenauer-Halle stand spürbar hinter der Mannschaft. Die Abwehr arbeitete weiterhin engagiert, zwang Horchheim in viele schwierige Würfe und profitierte mehrfach von Paraden der Wissener Torhüterin.
Im gebundenen Angriff überzeugte der SSV mit variablen Lösungen: Rückraumtore, Einläufer und Anspiele an den Kreis sorgten dafür, dass Horchheim kaum Zugriff bekam. Spätestens beim 18:14 durch Larissa Henrich (49.) schien der Weg zu einem Heimsieg geebnet. Der Bruch im Spiel kam in der zweiten Halbzeit mit zwei direkten Zeitstrafen hintereinander gegen Wissen. In Unterzahl musste der SSV enorm viel laufen, die Kräfte schwanden, und die bis dahin stabile Konzentration ließ nach. Horchheim witterte nun die Chance, doch noch einmal zurückzukommen, und nutzte die entstehenden Lücken sowie mehrere Siebenmeter, um Tor um Tor aufzuholen.
Zwischen der 53. und 57. Minute drehte sich das Momentum komplett: Die Gäste trafen nun fast im Minutentakt, während Wissen im Angriff weniger klare Aktionen fand und einige Angriffe überhastet abschloss. Beim 19:19-Ausgleich 56.) war der komfortable Vorsprung verspielt, kurz darauf lagen die Gäste beim 19:20 erstmals in der Schlussphase vorne. Trotz schwindender Kräfte gab sich der SSV nicht auf. Jacklyn Unruh sorgte mit ihrem Tor zum 20:20 in der 59. Minute noch einmal für große Emotionen auf der Tribüne, und die Gastgeberinnen warfen in der Abwehr noch einmal alles in die Waagschale.
Horchheim nahm jedoch kurz vor Schluss die letzte Auszeit und spielte den letzten Angriff routiniert aus. Nur wenige Sekunden vor dem Ende erzielten die Gäste den 20:21-Siegtreffer, womit der TuS den Auswärtserfolg buchstäblich in der letzten Minute erzwang. Für Wissen blieb nach 60 Minuten, in denen man über weite Strecken führte und spielerisch die bessere Mannschaft war, nur die bittere Erkenntnis, sich für eine starke Teamleistung nicht belohnt zu haben.
Der SSV 95 Wissen hatte sich im Vorfeld nur geringe Chancen ausgerechnet, dominierte die Partie aber dank großem Zusammenhalt, stabiler Abwehrarbeit, einer starken Torhüterleistung und guten Lösungen im Angriff über weite Strecken. Umso ärgerlicher ist die knappe Niederlage, zumal man bis in die Schlussphase hinein das Heft des Handelns in der Hand hatte. Nimmt die Mannschaft jedoch Einstellung, Defensivleistung und mannschaftliche Geschlossenheit aus diesem Handballkrimi mit, dürfte der SSV in den kommenden Spielen wieder auf Punktejagd gehen.
Comments are closed.